In Linum erlebt man hautnah ein ganz besonderes Naturschauspiel
Linum/Brandenburg.Im Sommer haben in dem kleinen Ort Linum nahe Kremmen in Brandenburg die Störche viele Häuser „besetzt“, im Frühjahr und im Herbst ist aber noch ein ganz anderes Naturschauspiel zu bewundern. Mitte Oktober wurden 31.000 Kraniche, Anfang November bereits 44.000 Kraniche gezählt, die auf den umliegenden Wiesen Rast einlegen und ihre Schlafplätze aufsuchen. Das Schauspiel ist ganz besonders bei schönem Wetter in der Abenddämmerung zu bewundern, wenn die Vogelfamilien in Scharen einfliegen.
Seit 1991 unterhält der NABU Berlin im havelländischen Linum das Naturschutzzentrum Storchenschmiede. Bis zu 18 Storchenpaare brüten jährlich in dem beschaulichen Dorf. Im Herbst und Frühjahr rasten Zehntausende von Wildgänsen und Kranichen im angrenzenden Teichland, dem größten binnenländischen Kranichrastgebiet Mitteleuropas. Die Besucher der Storchenschmiede können sich über Tiere, Pflanzen und den Naturschutz im Gebiet informieren und ein umfangreiches Angebot an Veranstaltungen nutzen. Neben Information und Öffentlichkeitsarbeit sorgt das Naturschutzzentrum gemeinsam mit anderen Akteuren für eine naturschonende Besucherlenkung und ist an Naturschutzprojekten in Linum und dem Linumer Teichland beteiligt. Als Mitglied der AG Kranichschutz Rhin-Havelluch und gemeinsam mit der Gemeinde Linum setzt sich der NABU hier für die Ausweisung eines Kranichschutzgebietes ein.
Auf ihrem langen Weg zu den Überwinterungsgebieten legen zehntausende Vögel zur Freude vieler Naturinteressierter in Brandenburg eine Rast ein. Das Rhin-Havelluch mit dem kleinen Ort Linum entwickelte sich in den letzten zwanzig Jahren zum größten binnenländischen Rastplatz des Kranichs auf seiner westlichen Zugroute. Von seinen Brutgebieten in Skandinavien, im Baltikum und in Polen kommend, erholen sich viele Kraniche einige Tage oder Wochen im Rhin-Havelluch. An manchen Tagen wurden am größten Schlafplatz bei Linum schon über 80.000 gezählt. Tagsüber stärken sich die Kraniche auf den abgeernteten Getreidefeldern in der Umgebung.
Das Linumer Teichgebiet wirkt mit seinen flachen Teichen und den angrenzenden nassen Wiesen wie ein Magnet. Kraniche wollen beim Schlafen im flachen Wasser stehen, hier fühlen sie sich sicher. Ein Management im Kranichrastgebiet, zu dem das Anstauen flacher Teiche, die
Ausweisung von Ruhezonen und die Besucherlenkung gehören, ist in der heutigen Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Nicht nur die Vögel profitieren davon, sondern auch zahlreiche andere Arten. Nicht zuletzt kommen diese Maßnahmen auch dem Naturtourismus und somit den Menschen in der Region zugute. Text: Klaus Tolkmitt und NABU Linum Foto 1-3 Klaus Tolkmitt, Foto 4 (unten) Maik Bischoff
Foto von oben nach unten: (1)Wenn die Kraniche ziehen..., (2)rasten sie in den Feuchtwiesen in Linum. (3)Tausende Kraniche kommen in der Abenddämmerung zu den Rastplätzen zurück und (4)bieten den Betrachtern ein einmaliges Naturschauspiel.
Zum Video: Kraniche über Brandenburg
Indian Summer im Schlaubetal
In Brandenburgs schönstem Bachtal zeigt der Herbst seine prächtigen Farben
Nur 90 Kilometer von der Hauptstadt Berlin entfernt, in süd-östlicher Richtung findet man das wohl schönste Bachtal Brandenburgs. Ein Urlaubsparadies zum Erholen und entspannen. Hier erlebt man die unberührte Natur in ihrer ganzen Artenvielfalt und herrlich erfrischende Seen, die die Schlaube auf ihrem Weg durch das gleichnamige Bachtal wie eine Perlenkette aufreiht. Das Schlaubetal verfügt über ein gut ausgebautes und ausgeschildertes Rad- und Wanderwegnetz. Der staatlich anerkannte Erholungsort Müllrose, das "Tor zum Schlaubetal", ist ein perfekter Ausgangspunkt für Ausflüge in diesen unvergleichlich reizvollen Naturpark. Nur wenige Meter vom historischen Marktplatz entfernt, befindet sich das Haus des Gastes, mit Schlaubetal-Informationen, das Heimatmuseum samt Remise mit historischer Kutschensammlung und die Bibliothek. Der gleichnamige Naturpark erstreckt sich auf einer Fläche von 227 km² und ist zu mehr als zwei Drittel mit Wald bedeckt. Der im Norden gelegene Wirchensee ist von verschiedenen Laubmischwäldern umgeben. Erlenbrüche, Buchen- und Hainbuchenwälder begleiten den Oberlauf der Schlaube. Wie ein Mittelgebirgsbach windet sie sich dort durch steile, bis zu 30 Meter hohe Schluchten. An einigen Stellen im Schlaubetal, u.a. im Naturschutzgebiet Teufelssee bei Schernsdorf, wachsen naturnahe Traubeneichen-Kiefern-Mischwälder. In diesem Bereich, in dem die Schlaube eine Kette von Seen durchfließt, sind auch noch ursprüngliche Buchenwälder erhalten geblieben. Über 1.000 Pflanzenarten sind bis heute im Naturpark nachgewiesen, darunter derzeit noch 13 Orchideenarten und bedeutende Farne wie Rippen- und Königsfarn. Fast 200 Vogelarten wurden festgestellt. Neben Fischotter und mehrere Fledermausarten leben See- und Fischadler, Uhu und Eisvogel, Schwarzstorch und Schreiadler, Sumpfschildkröte und Bachforelle im Naturpark. Nicht die spektakulären sondern die stillen Reize sind es, die sich dem aufmerksamen Besucher im Naturpark Schlaubetal am besten zu Fuß oder per Rad erschließen. Während der Wanderung kann man in einer der zahlreichen Gaststätten bei einem typischen Gericht aus der Region verweilen und genießen. Ganz besonders im Herbst, wenn der Indian Summer sein prächtiges Farbenkleid zeigt, ist eine Wanderung durch das Naturparadies zu empfehlen. Fotos: Klaus Tolkmitt Zur Diaschau (mit größeren Bildern) Foto unten rechts anklicken